Crypto-Wars 3.0

Wie zu erwarten war, wird nach den Anschlägen in Frankreich die Verschärfung der Abhörgesetze gefordert. Unter anderem sollen die Verschlüsselungsalgorithmen ausgehölt werden. Übrigens nach dem uns empfohlen wurde selber zu Verschlüsseln und der Staat ja nicht jeden beschützen kann. Abhören kann er aber schon jeden, oder will es zumindest offiziell. Frank Rieger, Mitglied des CCC, hat jetzt bei heise einen interessanten Artikel verfasst.

Das Vertrauen in die Behörden ist nach NSA- und NSU-Skandal grundlegend erschüttert. Dass praktisch bei jedem Anschlag der letzten fünfzehn Jahre die Urheber den Behörden längst bekannt waren, weist darauf hin, dass es mitnichten ein Mangel an Daten ist, der die Terrorabwehr behindert. Die existierenden Befugnisse, die Zugriffsrechte auf die kommerziellen Anbieter und die Erfassungssysteme an den Grenzen, die in den letzten Jahren systematisch ausgebaut wurden, liefern genügend Material – ganz abgesehen von den weltumspannenden Abhörsystemen der Five Eyes und ihrer Kollaborateure. Aber offenbar gibt es nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter, die mit den Daten etwas anfangen können.

Die dauernde Forderung der Vorratsdatenspeicherung, sollte bei Licht betrachtet, auch als Humbug und Schlangenöl entlarvt werden. Frankreich hat diese schon, gebracht hat sie nichts.

Dann kam da noch ein Abschnitt der einen beruhigen kann und vermutlich das Szenario realistisch darstellt. Allein der Begriff „Wirtschaftsspionage“ wird die Einführung eines Kryptoverbotes verhindern.

Der weitere Verlauf der Debatte scheint vorgezeichnet. Irgendwann wird die Regierung konstatieren, dass ein generelles Kryptoverbot kontraproduktiv und unrealistisch wäre. Stattdessen wird man versuchen, kommerzielle Massenanbieter dazu zu gängeln, keine echte Ende-zu-Ende-Krypto einzuführen. Auch dies hat wenig Aussicht auf dauerhaften Erfolg und ist von zweifelhafter Wirksamkeit, insbesondere gegen Terroristen und Schwerstkriminelle, um die es ja eigentlich gehen soll.

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